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Quellenverweise

Rheinkrise

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Im Jahr 1840 kam es zu einem Konflikt zwischen Frankreich und dem Deutschen Bund. Auf dem Wiener Kongress wurden die linksrheinischen Gebiete offiziell dem Deutschen Bund als preußische Provinzen zugesprochen. Zuvor hatten diese aber zum französischen Staatsterritorium gehört. Der Rhein bildete bis 1814 demnach die Außengrenze Frankreichs. Beeinflusst wurde diese diplomatische Krise vor allem von der Orientkrise, durch die Frankreichs politischer Einfluss im Orient zurückgedrängt wurde. Dies versuchte Frankreich nun mit der Annexion der linksrheinischen Gebiete zu kompensieren.

Wiener Kongress & Orientkrise

Infolge der Napoleonischen Eroberungen waren die linksrheinischen Gebiete zu französischem Staatsterritorium geworden, sodass der Rhein die französische Staatsgrenze bildete. Auf dem Wiener Kongress wurden die linksrheinischen Gebiete zu preußischen Provinzen gemacht und gehörten damit zum Deutschen Bund. Diese Beschlüsse stellte die französische Regierung 1840 in Frage. Entscheidender Auslöser dafür war Frankreichs diplomatische Niederlage in der Orientkrise. Das Osmanische Reich war durch den griechischen Unabhängigkeitskrieg stark geschwächt worden. Frankreich nutzte diese Gelegenheit aus, um Algerien zu besetzen und den ägyptischen Vizekönig Mohammed Ali Pascha für einen Unabhängigkeitskampf gegen die Türken zu unterstützen. Damit wollten die Franzosen politischen Einfluss in Nordafrika und im Nahen Osten gewinnen. Entgegen Frankreichs Absichten sprachen sich die Großmächte Preußen, Russland, Österreich und Großbritannien gegen den drohenden Zerfall des Osmanischen Reiches aus. Mit dem Viermächtevertrag zwangen sie Frankreich dazu, die Unterstützung Ägyptens aufzugeben. Da Frankreich diese Umstände als diplomatische Niederlage auffasste, kam es wenig später zur sogenannten Rheinkrise.1

Rheinkrise

Die Orientkrise löste in der französischen Bevölkerung große Empörung aus. Erinnerungen an die Napoleonische Ära und den Wiener Kongress kamen wieder hoch. Wie auch damals stand Frankreich wieder einer Koalition der europäischen Großmächte gegenüber. Die Abtretung der linksrheinischen Gebiete wurde vom Großteil der Franzosen in Frage gestellt. Sie forderten die erneute Ausdehnung der französischen Staatsgrenze bis zum Rhein. Diese Forderungen entwickelten sich zu einer diplomatischen Krise. Frankreich drohte unter dem Kabinett Adolphe Thiers permanent mit Krieg und rüstete militärisch auf. Zu einer Eskalation kam es allerdings nicht, da sich die französische Außenpolitik durch ein neues Kabinett wieder mäßigte. Durch den Dardanellen-Vertrag wurde die Rheinkrise offiziell beendet.2

Folgen

Auf intellektueller Ebene hatte die Rheinkrise verheerende Folgen. Im deutschen Sprachraum führte sie zu einer größeren anti-französischen Stimmung und stärkte gleichzeitig das deutsche Nationalbewusstsein. Deutschland bildete zu diesem Zeitpunkt noch keine Einheit, sondern war im Deutschen Bund in zahlreiche Klein- und Mittelstaaten zersplittert. Seit den Befreiungskriegen wurde von Intellektuellen und Studenten ein deutscher Einheitsstaat gefordert. Beeinflusst wurde der Patriotismus von einem „Dichterkrieg“ zwischen Franzosen und Deutschen. Neben einigen Gedichten entstanden einflussreiche Lieder wie „Die Wacht am Rhein“ und dem „Lied der Deutschen“. Die Rheinkrise erbrachte daher wichtige Impulse für die deutsche Nationalbewegung im Vormärz und beeinflusste den Ausbruch der Revolution 1848/49.3

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