Lexikon
Auswahl > Lexikon > Übersicht Restauration & Vormärz > Das „System Metternich“

Das „System Metternich“


Als „System Metternich“ wird die Politik des österreichischen Außenministers Klemens von Metternich nach 1815 bezeichnet. Diese Zeit war von einer Restauration geprägt, die die vorrevolutionäre Ordnung wiederherstellen sollte. Darüber hinaus sicherte Metternich die Herrschaft der adeligen Fürsten und versuchte liberale und nationale Forderungen aus dem Volk weitgehend einzudämmen.

Vorgeschichte

Nach Ausbruch der Französischen Revolution 1789 führte Frankreich seit 1792 Koalitionskriege gegen europäische Großmächte. Infolge der Napoleonischen Kriege und der französischen Vorherrschaft verbreiteten sich in Europa die revolutionären Ideen der Freiheit, Gleichheit und Nation. Als Napoleon 1814 geschlagen werden konnte, trafen sich die europäischen Staatsmänner auf dem Wiener Kongress und verhandelten über eine politische Neuordnung. Mit den Prinzipien der RestaurationLegitimität und Solidarität sollte die Fürstenherrschaft und der europäische Frieden gesichert werden. Leitbild der Restauration wurde Österreichs Außenminister Metternich, der die Verhandlungen auf dem Wiener Kongress leitete und alle aufkommenden nationalen und liberalen Forderungen aus dem Volk eindämmen wollte.1

Restauration & Heilige Allianz

Um die Beschlüsse des Wiener Kongress in die Praxis umzusetzen, verbündeten sich die Monarchen Preußens, Österreichs und Russlands 1815 in der Heiligen Allianz. Dabei solidarisierten sie sich im Kampf gegen revolutionäre Bewegungen und rechtfertigten die auf „Gottesgnadentum“ beruhende Fürstenherrschaft. Sie behielten sich das Recht vor, in solchen Staaten militärisch einzugreifen, in denen die Herrschaft der adeligen Fürsten durch revolutionäre Umstürze gefährdet werden würde. Durch die von Metternich eingeführte Restauration wurden die unter Napoleons Vorherrschaft erlassenen Reformen wieder zurückgenommen. Dementsprechend waren viele Menschen aus dem Bürgertum enttäuscht, weil ihre Chancen auf politische Mitbestimmung und wirtschaftlichen Aufstieg reduziert wurden.2

Deutscher Bund & Karlsbader Beschlüsse

Ein besonderes Augenmerk richtete sich 1815 auf den deutschsprachigen Raum, der in mehrere Klein- und Mittelstaaten zersplittert war. Um ein stabiles europäisches Gleichgewicht zu schaffen, setzte sich Metternich für die Gründung eines lockeren Staatenbundes ein, in dem jeder Fürst seine Souveränität bewahren durfte [Deutscher Bund]. Außerdem sollte die Einführung von Verfassungen in den Staaten verhindert werden. Wäre Metternich auf die Forderungen des Bürgertums nach Nationalstaat eingegangen, hätte sich das Gleichgewicht seiner Ansicht nach verschoben. Da die Menschen aus dem Bürgertum demzufolge enttäuscht waren, versammelten sie sich in Burschenschaften und forderten verstärkt Freiheitsrechte und einen deutschen Nationalstaat. Nach dem Attentat auf Kotzebue 1819 nutzte Metternich die Gelegenheit für die Umsetzung der Karlsbader Beschlüsse, die jegliche liberalen und nationalen Bewegungen stark unterdrücken sollten. Demagogenverfolgung, Verhaftungen und Pressezensur waren die Folge. Das „Metternich’sche System“ bewährte sich bis 1830 als erfolgreiches Instrument für die Bewahrung des Status quo. Erst infolge der Julirevolution 1830 und im Vormärz gewann die deutsche Nationalbewegung wieder an Auftrieb. 1848 folgte schließlich die deutsche Revolution.3

Verfasst von Fabio Schwabe

Unsere Buchempfehlungen

 

 

 

Sag' uns Deine Meinung!