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Quellenverweise

Hambacher Fest

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Das Hambacher Fest markierte die größte Massenkundgebung in der Epoche des Vormärz. Zwischen dem 27. Mai und 1. Juni 1832 trafen sich auf dem Hambacher Schloss knapp 30.000 Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Ländern. Sie verbündeten sich und forderten Freiheit, nationale Einheit und politische Rechte. Damit übten sie scharfe Kritik an der Kleinstaaterei des Deutschen Bundes und der absolutistischen Regierungsform der Fürsten.

Restauration & Vormärz

Seit 1792 hatte Frankreich in den Koalitionskriegen gegen Großmächte wie Preußen, Österreich und Russland gekämpft. Unter General Napoleon konnte die französische Armee große Teile Europas besetzen. Nach den Befreiungskriegen wurde Napoleons Vorherrschaft aber wieder gebrochen. Auf dem Wiener Kongress beschlossen Metternich und andere europäische Fürsten die Restauration und stellten damit die alte Ordnung wieder her. Durch den Erfolg in den Befreiungskriegen hatte sich unter den Deutschen ein Nationalbewusstsein entwickelt. Studenten und Professoren forderten zunehmend einen Nationalstaat, weil Deutschland zu diesem Zeitpunkt in verschiedene Fürstentümer zersplittert war. Auf dem Wiener Kongress wurde der Deutsche Bund als lockerer Staatenbund geschaffen, um Frieden und Gleichgewicht unter den Großmächten zu bewahren. Neben nationaler Einheit forderte das Bürgertum auch Freiheits- und Grundrechte, die in der Zeit Napoleons eingeführt worden waren. In der Epoche des Vormärz wurde diese Bewegung durch Ereignisse wie dem Wartburgfest immer stärker. Aus Furcht vor einer Revolution setzte Metternich daher 1819 die Karlsbader Beschlüsse um. Verfolgung, Überwachung und Unterdrückung gegen „Staatsfeinde“ gehörten nun zum Alltag.1

Der Ort Hambach

Hambach liegt in der Pfalz und wurde nach dem Frieden von Lunéville 1801 Teil der Französischen Republik. Dadurch breiteten sich dort die Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aus. Nach den Befreiungskriegen und dem Ende der französischen Vorherrschaft wurden auf dem Wiener Kongress neue Grenzen gezogen. Im Vertrag von München 1816 wurde die Rheinpfalz dem Königreich Bayern zugesprochen. Damit wurden die durch den Code civil eingeführten Bürgerrechte stark beschnitten. Durch die Restauration Metternichs mussten die Bürger ihre errungenen Freiheitsrechte größtenteils wieder aufgeben. In der Zeit des Vormärz setzten sich bürgerliche Studenten in Burschenschaften zusammen und äußerten gemeinsam ihre liberalen und nationalen Wünsche. Durch die Karlsbader Beschlüsse 1819 wurden deren Aktivitäten in den Folgejahren mit Verfolgung, Verhaftung und Haftstrafen bestraft. Erst nach der Julirevolution 1830 in Frankreich gewann die bürgerliche Freiheitsbewegung wieder an Bedeutung. Neben der Kritik am Absolutismus und der Kleinstaaterei kamen noch der Pauperismus der unteren Gesellschaftsschicht hinzu, der durch die Frühindustrialisierung entstanden war.2

Ablauf

Nach der Julirevolution 1830 in Frankreich schränkte der bayerische König zunächst die Presse- und Versammlungsfreiheit ein. Die liberalen Publizisten Johann Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth gründeten 1832 als Reaktion den Deutschen Preß- und Vaterlandsverein. Dessen Mitgliederzahl stieg in der Folgezeit stark an. Ein Großteil von ihnen lud am 27. Mai 1832 zu einem Volksfest auf das Hambacher Schloss ein, um gemeinsam für die nationale Einheit und Freiheitsrechten zu protestieren. Zu diesem Fest kamen um die 30.000 Menschen, die sich aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und Ländern zusammensetzten. Nach dem Start am Neustadter Marktplatz marschierte ein mit schwarz-rot-goldenen Flaggen geschmückter Festzug zum Hambacher Schloss. Darüber hinaus trugen einige Redner ihre Vorstellungen zu politischen Reformen vor. Neben nationaler Einheit wurde die Einführung der konstitutionellen Monarchie gefordert. Einige plädierten auch für eine Demokratie. Hauptinitiatoren des Festes waren Siebenpfeiffer und Wirth. Sie riefen dazu auf, sich nicht mehr von den Fürsten unterdrücken zu lassen und für die Freiheit und Einigung Deutschlands zu kämpfen.3

Folgen

Nach dem Hambacher Fest wurden auf Befehl Metternichs bayerische Militärs in die Pfalz geschickt, um den Ausbruch einer bürgerlichen Revolution zu verhindern. Damit kam es zu einer neuen Verfolgungs- und Verhaftungswelle der bürgerlichen Freiheitsbewegung. Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde verboten. Neben einigen anderen Aktivisten mussten sich Siebenpfeiffer und Wirth 1833 vor einem Geschworenengericht in Landau verantworten. Beide wurden später zu zwei Jahren Haft verurteilt und flohen in die Schweiz. Trotz der starken Repression der Fürsten hatte das Hambacher Fest langfristige Folgen. 1833 kam es beim Frankfurter Wachensturm zu einem neuen Umsturzversuch. Die bürgerlichen Forderungen nach Freiheit und Einheit waren in den Folgejahren nicht mehr aufzuhalten. Die notwendige Folge dieser breiten politischen Unzufriedenheit war die Revolution 1848/49.4

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