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Quellenverweise

Frankfurter Wachensturm

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Am 3. April 1833 unternahmen deutsche Studenten den Versuch, die Hauptwache in Frankfurt zu stürmen und anschließend eine bürgerliche Revolution auszulösen. Sie waren unzufrieden mit den politischen Verhältnissen, da auf dem Wiener Kongress 1815 der Absolutismus wiederhergestellt worden war und die deutschen Fürstentümer noch immer keine Einheit bildeten. Neben dem Wartburgfest und dem Hambacher Fest gehört der Frankfurter Wachensturm zu den wichtigsten Ereignissen des deutschen Vormärz.

Restauration & Vormärz

Nach Napoleons Vorherrschaft in Europa und den Befreiungskriegen wurde auf dem Wiener Kongress der Absolutismus und die Fürstenherrschaft wiederhergestellt. Dies enttäuschte vor allem die jungen Studenten aus dem Bürgertum, die sich Freiheitsrechte und die Gründung eines deutschen Nationalstaates erhofft hatten. Fürst von Metternich lehnte diese Forderungen ab und schuf für die deutschen Staaten den Deutschen Bund als loses Bündnis souveräner Einzelstaaten. Damit sollte der Frieden und das Gleichgewicht unter den Großmächten bewahrt werden. Nach 1815 setzten sich Studenten in Burschenschaften zusammen und machten sich politisch aktiv. Die erste große Massenkundgebung des Vormärz markierte das Wartburgfest 1817. Die studentische Freiheitsbewegung wurde durch die Karlsbader Beschlüsse 1819 stark unterdrückt. Erst nach der Julirevolution 1830 in Frankreich gewannen die Burschenschaften neuen Auftrieb. Auf dem Hambacher Fest versammelten sich 1832 knapp 30.000 Menschen aus verschiedenen deutschen Staaten und bekundeten ihre Forderungen nach Freiheit und nationaler Einigung. Anschließend wurden die Hauptorganisatoren Siebenpfeiffer und Wirth sowie viele andere Aktivisten festgenommen. Diese Umstände führten zu einer breiteren Vernetzung der Burschenschaftler und motivierte sie im April 1833 zu dem Versuch, in Frankfurt eine Revolution auszulösen.1

Ablauf des Wachensturms

Als Ort für den Putschversuch wurde Frankfurt als Sitz des Bundestags, dem höchsten und einzigen politischen Organ im Deutschen Bund, auserwählt. Die Aufständischen kamen vorwiegend aus Heidelberg und Würzburg. Sie wollten die Frankfurter Polizeiwachen stürmen, Waffen plündern und anschließend die im Bundestag sitzenden Fürsten gefangen nehmen. Des Weiteren erhofften sie sich den Beistand des württembergischen Militärs, des Frankfurter Bürgertums und der umliegenden Landbevölkerung. Die Revolution sollte demnach von Frankfurt ausgehen und wie eine Kettenreaktion auf den Südwesten und danach ganz Deutschland übergehen. Dieser Plan wurde allerdings schon vor dem 3. April 1833 verraten und blieb damit erfolglos. Da die revoltierenden Studenten aber weiterhin auf die Unterstützung der Landbevölkerung und dem Frankfurter Bürgertum hofften, unternahmen sie dennoch den Angriff auf die Frankfurter Wache.2

Folgen

Trotz des misslungenen Putschversuchs war der Frankfurter Wachensturm in den bürgerlichen Kreisen auf breite Resonanz gestoßen. Für Frankfurt wurde in den Folgetagen vom Bundestag eine Bundesexekution beschlossen, die die politische Lage überwachen und absichern sollte. Ein Großteil der Aufständischen wurde verhaftet, allerdings gelang einigen von ihnen die Flucht ins Ausland. Für die nachfolgenden Jahre wurde in Frankfurt die Bundeszentralbehörde geschaffen, um die Aktivitäten der Burschenschaften zu kontrollieren und verdächtige Personen in „schwarzen Listen“ aufzunehmen. Neben dem Wartburgfest und dem Hambacher Fest gehört der Frankfurter Wachensturm zu den bedeutendsten Ereignissen des deutschen Vormärz. In den nächsten Jahren formierte sich eine breite bürgerliche Freiheitsbewegung, sodass im Deutschen Bund 1848 die Revolution ausbrach.3

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