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Quellenverweise

Befreiungskriege

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Seit 1792 kämpfte Frankreich in den Koalitionskriegen gegen die Großmächte Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien. Unter Napoleons Herrschaft erlangte Frankreich die Vorherrschaft über große Teile Mitteleuropas. Die Befreiungskriege zwischen 1813 und 1815 konnten Frankreichs Vormachtstellung schließlich beenden. Nach dem gemeinsamen Kampf gegen Napoleon entwickelte sich in den deutschsprachigen Gebieten gleichzeitig ein Nationalgefühl. Da die autoritäre Herrschaft der Fürsten aber weiterhin bestand, wurden Forderungen nach Einheit und Freiheit immer lauter.

Vorgeschichte

Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution 1789 wurden in Frankreich der König und die Ständegesellschaft gestürzt. Ideale der Freiheit, Einheit und Brüderlichkeit waren nun festgeschrieben. 1792 kam es zum Ausbruch der Koalitionskriege, in denen sich die noch absolutistischen Staaten wie Preußen, Österreich und Russland gegen die Republik Frankreich verbündeten. Unter General Napoleon Bonaparte erwies sich die französische Armee deutlich stärker und konnte große Teile Mitteleuropas erobern. Mit dem Frieden von Luneville 1801 wurde das linke Rheinufer annektiert. Zwei Jahre später kam es mit dem Reichsdeputationshauptschluss zur vorzeitigen Auflösung des „deutschen“ Reiches. 1806 vereinigte Napoleon einige deutsche Staaten im Rheinbund. Preußen und Österreich mussten verlustreiche Niederlagen hinnehmen. Das Blatt wendete sich erst 1812, als Napoleon einen Feldzug gegen Russland plante.1

Napoleons Russlandfeldzug

An Napoleons Russlandfeldzug 1812 beteiligten sich zahlreiche deutsche Soldaten, die ihm aufgrund des Rheinbundes militärische Unterstützung leisten mussten. Der Feldzug wurde für Napoleons Truppen aber zur Katastrophe. Ein starker Widerstandskampf der russischen Militärs, Kälte und Hunger führten zu einer verheerenden Niederlage. Am Ende des Jahres 1812 kehrte nur eine Minderheit der napoleonischen Truppen zurück. Mit Russlands Sieg kam es zur entscheidenden Wende in den Koalitionskriegen. Zar Alexander I. wollte Napoleons Herrschaft in Europa nun ganz stürzen und das vorherige Gleichgewicht der Großmächte wiederherstellen.2

Preußens Bündnis mit Russland

Seit der Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806 hatte sich Preußen nicht mehr am Krieg beteiligt. Zunächst sollten die preußischen Reformen durchgeführt werden, um Verwaltung und Militär effizienter zu gestalten. Nach langem Zögern des preußischen Königs Wilhelm III. kam es am 26. Februar 1813 zwischen Preußen und Russland zum Vertrag von Kalisch. Darin wurde unter anderem beabsichtigt, auch Österreich und Großbritannien für dieses Bündnis zu gewinnen. Eine Kommission sollte Truppen aus allen deutschen Gebieten rekrutieren und sich mit einer politischen Nachkriegsordnung beschäftigen. Am 17. März 1813 erfolgte schließlich Preußens Kriegserklärung an Frankreich. König Wilhelm III. warb mit seiner Rede „An mein Volk“ um Unterstützung in der preußischen Bevölkerung. Der Hass gegen die französische Vorherrschaft erregte einen allgemeinen Patriotismus. Es bildeten sich zahlreiche freiwillige Wehrverbände wie das Lützowsches Freikorps, dessen schwarz-rot-goldenen Uniformfarben später in der deutschen Nationalflagge übernommen wurden.3

Befreiungskriege

Begünstigt wurde der Krieg gegen Napoleon dadurch, dass sich auch Großbritannien mit der Flotte im Meer und einer Armee in Spanien militärisch beteiligte. Da Napoleon einige Truppen in Spanien stellen musste, kam es für die Koalition zu einer strategisch günstigen Kriegslage. Frankreiche Einfluss über Europa ging in der Folgezeit schrittweise zurück. In der Konvention von Reichenbach am 27. Juni 1813 traten auch Großbritannien und Österreich dem anti-französischen Bündnis bei. Staatskanzler Metternich machte sich zu einer wichtigen diplomatischen Persönlichkeit. Er wollte unbedingt die Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts erreichen, damit unter den Großmächten nicht neue Kriege entstehen könnten. Darüber einigten diese sich in der Allianz von Teplitz. Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 markierte einen entscheidenden Einschnitt in den Befreiungskriegen. Damit erfolgten die Auflösung des Rheinbundes und Napoleons Rückzug. Nach einigen gescheiterten Friedensverhandlungen und dem Einmarsch der alliierten Truppen in Paris musste Napoleon am 11. April 1814 abdanken. Er floh auf die Elba. Trotz des Friedens von Paris kehrte Napoleon im März 1815 nach Frankreich zurück, um die Macht erneut zu ergreifen. Seine Herrschaft der Hundert Tage wurde in der Schlacht bei Waterloo endgültig gebrochen. Der Krieg wurde offiziell mit dem Zweiten Pariser Frieden am 20. November 1815 beendet. In Frankreich übernahmen wieder die Bourbonen die Macht.4

Folgen

Napoleons Herrschaft über Europa hatte tiefgreifende Veränderungen bewirkt. Die Ideale der Französischen Revolution wurden beim gebildeten und wohlhabenden Bürgertum begrüßt. Der gemeinsame Kampf in den Befreiungskriegen hatte zugleich ein deutsches Nationalgefühl entstehen lassen. In der Folgezeit entwickelte sich unter Studenten, Professoren und Akademikern eine Bewegung, die Freiheitsrechte und die Gründung eines deutschen Nationalstaates forderte [Vormärz]. Auf dem Wiener Kongress erteilten Europas Fürsten diesen Forderungen aber eine klare Absage. Sie wollten ihre absolutistische Herrschaft und das friedliche Gleichgewicht in Europa bewahren. Österreichs Staatskanzler Metternich begründete damit die Restauration. Er ließ die deutschen Klein- und Mittelstaaten nicht zu einem Nationalstaat zusammenwachsen, sondern schuf mit dem Deutschen Bund nur ein loses Bündnis souveräner Einzelstaaten. Preußen, Österreich und Russland verpflichteten sich in der Heiligen Allianz dazu, gemeinsam gegen nationale und liberale Bewegungen vorzugehen.5

» Hier geht es zur Übersichtsseite „Restauration und Vormärz„.






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