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Rheinbund

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Seit 1792 kämpfte Frankreich in den Koalitionskriegen gegen Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien. Unter General Napoleon konnte die Grande Armee große Teile Europas besetzen. Deutschland existierte zu dieser Zeit noch nicht als Nationalstaat, sondern war unter dem Decknamen Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation in verschiedene Fürstentümer zersplittert. Dieses Reich wurde 1806 aufgelöst. Napoleon schloss einige deutsche Staaten im sogenannten Rheinbund zusammen, der ihm als Militärbündnis im Kampf gegen Europas Großmächte diente.

Koalitionskriege

1789 war in Frankreich die Französische Revolution ausgebrochen. Damit wurden Königtum und Ständegesellschaft abgeschafft. 1792 setzte die Zeit der Koalitionskriege zwischen der Republik Frankreich und den noch absolutistischen Staaten Preußen, Österreich, Großbritannien und Russland ein. Die französische Armee war in den Napoleonischen Kriegen deutlich überlegen und konnte große Teile Europas erobern. Mit dem Frieden von Lunéville 1801 wurde das linke Rheinufer annektiert. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 kam es zur vorzeitigen Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach Preußens Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 traten einige deutsche Staaten Napoleons neuem Rheinbund bei. Darin waren sie ihm zur militärischen Unterstützung verpflichtet. Napoleon schuf damit eine Art Pufferzone als Gegengewicht zu Preußen und Österreich. Gleichzeitig setzte in diesen Staaten ein politischer und gesellschaftlicher Umbruch ein, der von den Idealen der Französischen Revolution geprägt war.

Modernisierung

Durch die Mediatisierung und Säkularisierung hatten die süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern große Landflächen zugewinnen können. Da sich nun ehemalige protestantische und katholische Staaten miteinander vermischten, waren Reformen in Staat und Verwaltung dringend erforderlich. Nach französischem Vorbild wurden die Staatssysteme modernisiert, indem alte feudale und kirchliche Herrschaftsgewalten zurückgedrängt wurden. Die Rheinbundstaaten verwandelten sich zunehmend in Zentralstaaten, in denen sich eine effiziente Verwaltung entwickelte. Mit der staatlichen Neuordnung begann auch die frühe Entwicklung des Berufsbeamtentums. Im Justizwesen wurde der von Napoleon geschaffene Code Civil eingeführt. Auf wirtschaftlicher Ebene entstand eine staatliche Finanzverwaltung. Der Abbau der Binnenzölle, die Einführung der Gewerbefreiheit und die Aufhebung der adeligen Steuerprivilegien begünstigten einen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch die Agrarreformen wurde die Leibeigenschaft der Bauern gelockert. Mit diesen Reformen entwickelten sich die Staaten vom feudalen Ständestaat zu bürgerlich-liberalen Systemen.

Befreiungskriege

Nach Napoleons gescheiterten Russlandfeldzug 1812 wurde die französische Vorherrschaft über Europa zunehmend zurückgedrängt. An diesem Feldzug beteiligten sich zahlreiche Soldaten der Rheinbundstaaten, von denen die meisten nicht mehr nach Hause zurückkehrten. Russland, Preußen und Österreich verbündeten sich erneut und riefen zu den sogenannten Befreiungskriegen auf. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 kam es zur entscheidenden Wende in den Befreiungskriegen. Durch Napoleons Niederlage gegen Preußen, Österreich und Russland brach der Rheinbund schließlich auseinander. Die deutschen Staaten liefen zur Koalition über. Nachdem Napoleon auf die Elba geflohen war, kam er im Frühjahr 1815 nach Frankreich zurück und herrschte für Hundert Tage. Die Schlacht bei Waterloo konnte seine Macht endgültig brechen. Damit gewannen die europäischen Fürsten und der Absolutismus wieder an Bedeutung.

Folgen des Rheinbundes

Napoleons Reformen in den Rheinbundstaaten hatten weitreichende Veränderungen zur Folge. Auf seine Initiative waren die zahlreichen deutschen Kleinstaaten zu größeren Einheiten zusammengelegt worden. Insbesondere in den stark vergrößerten süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern setzte ein Prozess der modernen Staatsbildung ein. Darunter fielen die Einführung der Gewerbefreiheit, der Code Civil, die Aufhebung der adeligen Privilegien, die Einführung des Berufsbeamtentums und die Agrarreformen. Mit Frankreichs Kapitulation in den Befreiungskriegen wurden diese Reformen auf dem Wiener Kongress 1814/15 aber weitgehend rückgängig gemacht. Der Absolutismus und die Ständegesellschaft wurden wiederhergestellt. Napoleons Reformen gewannen aber langfristig an Bedeutung und trugen maßgeblich zur staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung bei.






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1806 - 1813


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