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Preußische Reformen

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Preußen hatte in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 eine schwere Niederlage gegen Frankreich hinnehmen müssen. Durch den Frieden von Tilsit verlor es große Gebietsteile und hatte hohe Kriegsentschädigungen zu zahlen. Im Vergleich zu Frankreich hinkte Preußens Staatssystem deutlich hinterher. Die preußische Staatselite sah sich daher zu Reformen in Verwaltung, Militär, Gesellschaft und Bildung veranlasst. Als Hauptinitiatoren der preußischen Reformen gelten Stein und Hardenberg.

Ursachen

Zur Regierungszeit Friedrichs II. war Preußen ein sehr fortschrittlicher Staat und galt als europäische Großmacht. Nach dessen Tod 1786 begann die Modernisierung aber zu erstarren. Alte feudale Strukturen blieben bestehen und hemmten die Entwicklung eines effizienten Staats- und Verwaltungssystems. In den Napoleonischen Kriegen wurde Preußens Rückstand im Vergleich zu Frankreich offensichtlich. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 musste das preußische Heer eine verheerende Niederlage hinnehmen. Große Gebietsverluste und französische Fremdherrschaft waren die Folge. Um wieder den Status einer Großmacht zu erlangen, sah sich König Wilhelm III. zu Reformen gezwungen. Als Vordenker der preußischen Reformen machten sich insbesondere Stein und Hardenberg einen Namen. Sie setzten die Ideen der Aufklärung in die Politik um und trugen maßgeblich zur Modernisierung der Staatsverwaltung bei.1

Stein-Hardenberg’sche Reformen

Aufgrund ihres wichtigen Beitrags werden die preußischen Reformen auch Stein-Hardenberg’sche Reformen genannt. Zwischen 1807 und 1811 erfolgte eine Modernisierung auf allen Ebenen der Staatsverwaltung. Mit dem Oktoberedikt wurde die Leibeigenschaft der Bauern abgeschafft. Auch sie hatten nun das Recht auf die freie Berufswahl. Die Heeresreform führte die allgemeine Wehrpflicht ein. Das Heer wurde in mehrere Abteilungen aufgeteilt und deutlich effizienter gestaltet. Charakteristisch wurde das Krümpersystem. Durch die Städtereform erhielten Städte das Recht auf Selbstverwaltung. Die Kabinettsreform modernisierte die Staatsverwaltung und setzte Minister für verschiedene Bereiche der Innen- und Außenpolitik ein. Für eine bessere moralische und geistige Ausbildung sorgte die Bildungsreform, durch die die humanistischen Gymnasien entstanden. Die Wirtschaftsreform hob das Zunftwesen auf und schuf dadurch die Grundlage für die Entwicklung der Gewerbefreiheit. Mehr Handel und Wettbewerb förderten somit die Wirtschaft. Darüber hinaus wurden Juden infolge der Judenemanzipation als preußische Staatsbürger anerkannt.2

Folgen

Die preußischen Reformen machten das Staats- und Verwaltungssystem auf mehreren Ebenen deutlich attraktiver. Der Staat wurde durch die Einführung der Minister und Einteilung in Provinzen, Bezirke und Kreise zentralisiert. In die militärische Offizierslaufbahn konnten neben dem Adel nun auch Bürger eintreten. Preußen erlangte dadurch den Status einer Großmacht wieder und konnte die französische Vorherrschaft in den Befreiungskriegen zurückdrängen. Im Gegensatz zu Frankreich war die Modernisierung nicht durch einen revolutionären Umsturz des Volkes [Französische Revolution], sondern mithilfe einer gemäßigten Reformpolitik von oben erfolgt. Preußen blieb somit ein konservativer Staat. Die fortschreitende Modernisierung wurde in Preußen durch außenpolitische Umstände wie dem Wiener Kongress wieder eingeschränkt. Auf langfristige Sicht sorgten die Gewerbefreiheit und Bauernbefreiung für einen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Grundlagen für die Entwicklung der Industrialisierung im 19. Jahrhundert setzte.3






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1807 - 1811


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