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Reichspogromnacht

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In der sogenannten Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 erreichte der staatliche Antisemitismus im „Dritten Reich“ eine neue Dimension. Dabei plünderten und zerstörten SA– und SS-Truppen jüdische Geschäfte und setzten Synagogen in Brand. Als Vorwand nutzten die Nationalsozialisten die Ermordung eines deutschen Botschafters in Paris durch den Juden Herschel Grynszpan, der gegen die Deportierung von polnischen Juden nach Polen protestiert hatte.

Vorgeschichte

Seit der „Machtergreifung“ der NSDAP 1933 war das Leben für jüdische Staatsbürger in Deutschland immer gefährlicher geworden. Nachdem zahlreiche Juden durch das Berufsbeamtengesetz ihre berufliche Existenz verloren hatten, legitimierten die Nürnberger Rassengesetze 1935 deren politische und soziale Ausgrenzung. In der Folgezeit verschärfte sich die Diskriminierung der Juden, indem sie auch aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet werden sollten. Für die Rüstungspolitik sah die deutsche Reichsregierung die Zwangsenteignung jüdischer Geschäfte vor. Als Vorwand für die organisierte Reichspogromnacht am 9. November nutzte die NSDAP die Ermordung des deutschen Botschafters Ernst vom Rath durch den polnischen Juden Herschel Grynszpan.1

Reichspogromnacht

Unmittelbar nach Eintreffen der Botschaft über die Tat von Grynszpan kam es bereits am 7. November 1938 zu ersten Übergriffen auf Juden, deren Geschäfte und Synagogen in Kurhessen und Magdeburg-Anhalt. Am Abend des 9. November tagte die NSDAP-Elite in München anlässlich des 1923 gescheiterten Hitler-Putsches. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verwies dabei auf das jüdische Attentat und die bereits stattgefundenen Übergriffe. Unmittelbar darauf gaben die SA-Führer von München aus Befehle an ihre Mannschaften zu organisierten Gewaltaktionen gegen Juden. Die Folge waren Mord, Brandstifungen, Plünderungen und Vertreibungen. Insgesamt wurden in dieser Nacht knapp 7000 jüdische Geschäfte zerstört und 91 Menschen getötet.2

Folgen

Die Reichspogromnacht hatte neben den Gewaltaktionen auch die Verschleppung von 30.000 Juden in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen durch SS und Gestapo zur Folge. Für Juden war das Leben im „Dritten Reich“ nahezu undenkbar geworden. Durch Zwangsenteignungen und Berufsverbote wurden ihnen ihre soziale Existenz genommen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs steigerte sich der Antisemitismus mit der systematischen Verschleppung von Juden in osteuropäische Konzentrations- und Vernichtungslager [Holocaust]. Dies wurde später durch die „Endlösung der Judenfrage“ verankert.3

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