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Quellenverweise

Kulturkampf Bismarcks

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Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 kam es zwischen Reichskanzler Otto von Bismarck und Papst Pius IX. zu einem Streit. Der Papst wollte den Einfluss der römisch-katholischen Kirche auf Politik, Wissenschaft und Kultur wieder ausweiten. Er lehnte Religionsfreiheit sowie die Trennung von Kirche und Staat vehement ab. Für diese Ideen setzte sich im Deutschen Reich die katholische Zentrumspartei ein. Bismarck sah darin eine Gefahr für die deutsche Reichseinheit. Daher beschloss er zwischen 1871 und 1878 gegen die katholische Kirche einige Maßnahmen, die als „Kulturkampf“ bekannt wurden.

Ursachen

Im Mittelalter waren Politik, Bildung und Gesellschaft lange Zeit mit der Kirche verbunden. Seit dem 17./18. Jahrhundert ging der kirchliche Einfluss immer mehr verloren, als sich der Absolutismus und Ideen der Aufklärung breit machten. Damit begann die Säkularisierung. Durch die Aufklärung entstanden unter anderem politische Strömungen wie der Liberalismus und Sozialismus, die den Katholizismus zunehmend zurückdrängten. Nach der Reichsgründung 1871 wurde Deutschland erstmals zu einem Nationalstaat. Dieser war preußisch und überwiegend protestantisch geprägt. Unter diesen Umständen entwickelte sich ein Streit zwischen Pius IX. und Reichskanzler Bismarck. Der streng konservative Papst Pius IX. hatte bereits 1864 den „Syllabus errorum“ veröffentlicht. Darin sprach er über angebliche Irrtümer in der modernen Politik und Wissenschaft und forderte einen verstärkten Einfluss der Kirche. Er lehnte vor allem den aufblühenden Liberalismus ab, weil er den Katholizismus zunehmend in die Defensive drängte. Seiner Ansicht nach sollten Kirchenkritiker aus dem Schul- und Universitätsdienst entfernt werden. Die im Kaiserreich agierende Zentrumspartei betrachtete Bismarck als „Sprachrohr“ des Papstes. Daher sah sich Bismarck 1871 zu einigen Maßnahmen gezwungen, um die Reichseinheit zu bewahren.1

Maßnahmen

Zu den wichtigsten Maßnahmen des „Kulturkampfes“ zählen der „Kanzelparagraph„, das „Jesuitengesetz“ und die Einführung der Zivilehe. Die Zivilehe war ab 1874 in Preußen und ab 1875 im ganzen Reich rechtlich verpflichtend. In Preußen ersetzte Bismarck die geistliche Schulaufsicht durch eine staatliche. Die „Maigesetze“ legitimierten eine staatliche Kontrolle über die Ausbildung von Geistlichen. Darüber hinaus sorgten das „Brotkorbgesetz“ und „Klostergesetz“ dafür, dass der Einfluss der katholischen Kirche auf das politische und gesellschaftliche Leben möglichst eingeschränkt wurde. Infolgedessen kam es zwischen dem Deutschen Reich und Vatikan 1872 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Bis 1878 wurden zahlreiche katholische Pfarrer entlassen und ins Gefängnis gebracht.2

Folgen

Bismarcks Bestrebungen, die katholische Zentrumspartei als politische Größe im Reich auszuschalten, ging nicht auf. Zwar setzten sich seine Reformen wie die Zivilehe und staatliche Schulaufsicht weitgehend durch. Die Zentrumspartei erhielt jedoch entgegen seiner Erwartungen mehr Zulauf. Dies lag daran, dass Bismarck nicht alle Protestanten hinter sich bringen konnte, weil Teile von ihnen gegen die Zivilehe und staatliche Schulaufsicht waren. Die Liberalen sahen aufgrund Bismarcks autoritärer Maßnahmen ihre Freiheitsrechte gefährdet und lehnten diesen Kurs damit ab. Daher entschied er sich 1878 zu einem Kurswechsel. Als neue Gefahr für die Reichseinheit sah er die aufkommende Arbeiterbewegung ein. Bismarck legte die Streitigkeiten mit dem neuen Papst Leo XIII. 1878 offiziell bei, weil er für die Durchsetzung des Sozialistengesetzes die Unterstützung der Liberalen benötigte.3

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