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Rückversicherungsvertrag

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Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland geschlossene Rückversicherungsvertrag verpflichtete beide Vertragspartner zu gegenseitiger Neutralität. Reichskanzler Otto von Bismarck wollte damit eine mögliche Annäherung zwischen Frankreich und Russland verhindern. Seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, der zur deutschen Reichsgründung geführt hatte, fürchtete Bismarck um das Szenario eines Zweifrontenkriegs. Das Abkommen blieb insgesamt drei Jahre bestehen.

Dreikaiserbund

Im Jahr 1881 hatten das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland den Dreikaiserbund geschlossen. Da sich Österreich und Russland aber in den folgenden Jahren um Gebiete auf dem Balkan zerstritten, brach der Bund auseinander. Bismarck erwies sich in dieser Zeit als geschickter Diplomat. Sein Hauptziel bestand darin, eine Annäherung zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland mit einem Bündnissystem zu verhindern. Dafür sorgte er im Westen dafür, dass zwischen Großbritannien und Italien 1887 die Mittelmeerentente geschlossen wurde. Da Russland somit von anderen Großmächten isoliert wurde, war der Weg frei für ein erneuertes Bündnis mit dem Deutschen Reich: dem Rückversicherungsvertrag.1

Rückversicherungsvertrag

Am 18. Juni 1887 wurde der Rückversicherungsvertrag geschlossen. Beide Vertragspartner verpflichteten sich darin zu gegenseitiger Neutralität, wenn entweder Russland von Österreich-Ungarn, oder das Deutsche Reich von Frankreich angegriffen werden würde. Für einen Angriffskrieg von russischer oder deutscher Seite galt dieser Vertrag nicht. In einem geheimen Zusatzprotokoll erkannte das Deutsche Reich Russlands Interessen auf dem Balkan und an den Meerengen des Bosporus und Dardanellen an. Fast gleichzeitig sorgte Bismarck im Westen für den Abschluss der Mittelmeerentente, um einen diplomatischen Ausgleich zu schaffen. Einerseits hatte Bismarck damit das russische Expansionsstreben an den Meerengen anerkannt, andererseits installierte er ein festes Bündnis zwischen Großbritannien und Italien, sodass eine Art Gleichgewicht hergestellt werden konnte. Das Deutsche Reich hatte sich 1882 mit Italien zum Dreibund zusammengeschlossen. Durch diese Verkettung von Bündnissen war es Bismarck gelungen, der Gefahr eines Zweifrontenkriegs aus dem Weg zu gehen.2

Folgen

Der Rückversicherungsvertrag war nur von kurzer Dauer. Nachdem Wilhelm II. 1888 neuer Kaiser des Deutschen Reiches geworden war, bahnte sich ein außenpolitischer Kurswechsel an. Er wollte die Regierungsgeschäfte selbst leiten und entließ Bismarck 1890 als Reichskanzler. Unter dessen Nachfolger Leo von Caprivi wendete sich die deutsche Außenpolitik von Russland ab. Wilhelm II. rüstete das Kaiserreich zu einer imperialen Großmacht auf und ging damit jeden Konflikt mit anderen Großmächten ein. Nach der Aufgabe des Rückversicherungsvertrags 1890 stand Russland schließlich ohne Bündnispartner da. Während sich die Beziehungen zum Deutschen Reich immer mehr verschlechterten, kam es zwischen Russland und Frankreich zu einer langfristigen Annäherung. Dieses Szenario hatte Bismarck mit seinem Bündnissystem stets verhindern wollen. Damit waren die Grundlagen für die im Ersten Weltkrieg kämpfende Triple Entente geschaffen.3

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