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Quellenverweise

Deutscher Dualismus

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Im 18. Jahrhundert wurde der preußisch-österreichische Dualismus charakteristisch für den Kampf um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich. Preußen war 1701 durch die Personalunion mit dem Kurfürstentum Brandenburg zum Königtum erhoben worden. Österreich war dagegen eine traditionelle europäische Großmacht, die schon seit dem 13. Jahrhundert fast ununterbrochen die Kaiser stellte. Beide Staaten waren in Verwaltung, Militär und Gesellschaft unterschiedlich ausgeprägt. Dieser Gegensatz sollte die deutsche Geschichte über ein Jahrhundert lang maßgeblich prägen und mündete 1871 in der Gründung eines Deutschen Kaiserreichs – unter Ausschluss Österreichs.

Preußen und Österreich

Österreich stellte mit der Habsburger Adelsfamilie schon seit mehreren Jahrhunderten die Kaiser im Heiligen Römischen Reich, während Brandenburg-Preußen seit der Personalunion 1701 ein aufsteigender Staat war. Im 18. und 19. Jahrhundert etablierte sich Preußen als Großmacht und konnte Österreich im Ringen um die Vorherrschaft in Deutschland überholen. Dies lag daran, dass Brandenburg in der Zeit der Reformation und konfessionellen Zeitalters erstarkte und somit als protestantisch geprägter Verfassungsstaat ein deutlich effizienteres Militär und Beamtentum aufstellte. Österreich war dagegen eher katholisch und konservativ geprägt. Das Festhalten an der feudalen Ordnung und der Vormacht des Adels bremsten Österreich daran, gegen Preußen mitzuhalten. Des Weiteren lag Österreichs Außenpolitik seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches eher auf dem Balkan, während sich Preußen auf Deutschland konzentrierte und langfristig die deutsche Geschichte bestimmen sollte.1

Schlesische Kriege

Mit dem Ausbruch des Ersten Schlesischen Kriegs 1740 fand der Deutsche Dualismus seinen Ursprung. Nachdem Kaiser Karl VI. gestorben war und es in der Habsburger Familie keinen männlichen Nachkommen gab, übernahm Maria Theresia die Regierung. Diese Nachfolge wurde mit der Pragmatischen Sanktion legitimiert. Neben anderen deutschen Fürsten war auch Friedrich II. von Preußen nicht dazu bereit, die Herrschaft Maria Theresias anzuerkennen. Daher stellte er ihr ein Ultimatum, marschierte mit preußischen Truppen kurz darauf in Schlesien ein und eroberte einen Großteil des Territoriums. Nach dem Zweiten Schlesischen Krieg vereinbarten beide Parteien, dass Schlesien fester Bestandteil Preußens wurde, während Friedrich II. Franz I. Stephan als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches anerkannte.2

Siebenjähriger Krieg

Nach den ersten beiden Schlesischen Kriegen versuchte Maria Theresia Preußen außenpolitisch zu isolieren und die verloren gegangenen Gebiete in Schlesien zurückzuerobern. Sie schloss Bündnisse mit Frankreich und Russland gegen Preußen. 1756 brach der dritte Schlesische Krieg (auch Siebenjähriger Krieg) aus. Friedrich II. reagierte schnell und eroberte zunächst Sachsen, um danach in Prag Truppen zum Widerstand gegen Österreich zu stationieren. Der Plan eines schnellen Sieges über Österreich scheiterte allerdings. Der Krieg endete, als der russische Zar Peter III. Waffenstillstand mit Preußen schloss. Österreichs Rückeroberungsversuche waren damit gescheitert. Der Frieden von Hubertusburg sprach Preußen den Besitz von Ober- und Niederschlesien endgültig zu. Preußen stieg damit zur europäischen Großmacht auf.3

Koalitionskriege gegen Frankreich

Die Spannungen zwischen Preußen und Österreich hörten auch nach dem Siebenjährigen Krieg nicht auf. Erst nach Ausbruch der Französischen Revolution 1789 und den Koalitionskriegen kämpften beide Staaten an einer Seite. 1791 verbündeten sie sich in der Pillnitzer Deklaration und versprachen dem französischen König Ludwig XVI. Unterstützung im Kampf gegen die Revolution. Als Reaktion darauf erklärte der französische Nationalkonvent Österreich und Preußen 1792 den Krieg. Damit begann die Zeit der Koalitionskriege. Gegen Frankreich konnten Preußen und Österreich keine Erfolge erzielen. Die Napoleonischen Kriege führten zur Ausdehnung Frankreichs auf Europa. Durch den Frieden von Lunéville 1801 musste sie linksrheinische Gebiete an Frankreich abtreten. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 verlor Österreich eine wichtige Stütze. 1804 legte Franz II. seine Kaiserkrone ab und begründete das Kaisertum Österreich. Sie stimmten der Gründung des Rheinbundes zu und mussten Frankreich im Krieg gegen Russland 1812 zunächst unterstützen.4

Wiener Kongress und Revolution 1848

Nach Frankreichs Niederlage gegen Russland lösten sich Preußen und Österreich aus dem gezwungenen Bündnis und konnten Frankreichs Hegemonie in Europa durch die Befreiungskriege erfolgreich beenden. Sie stellten ihre Staatsgrenzen auf den ungefähren Stand von 1789 wieder her. Preußen musste aber ein Teil der östlichen Gebiete in der Dritten Polnischen Teilung abtreten, erhielt dafür Posen und Gebiete am Rhein zur Verteidigung gegen Frankreich. Auf dem Wiener Kongress 1814/15 führte Österreichs Staatskanzler Metternich die Restauration ein. Diese sollte Frieden bewahren und aufkommende liberale und nationale Bewegungen des Vormärz unterdrücken. Preußen, Österreich und Russland verbündeten sich in der Heiligen Allianz. Anstelle des Alten Reiches wurde der Deutsche Bund hergestellt, in dem die einzelnen Territorien aber weitgehende Souveränität behielten. In der Revolution 1848 wurde die politische Ordnung kurzzeitig erschüttert, als das Volk die deutschen Fürsten stürzte und in der Frankfurter Nationalversammlung die Gründung eines deutschen Nationalstaats mit liberaler Verfassung plante. Geplant war die kleindeutsche Lösung mit Preußen als Vormacht und unter Ausschluss Österreichs. Durch die Konterrevolution der Großmächte scheiterten diese Pläne allerdings.

Realpolitik und Deutscher Krieg

Nach der sogenannten „Reaktionsära“ trat der preußisch-österreichische Dualismus gegen Ende der 1850er Jahre wieder in den Vordergrund. Preußen versuchte nun die bürgerlichen Forderungen eines deutschen Einheitsstaats für die eigene Machtexpansion zu nutzen. Charakteristisch für diese Zeit war die Realpolitik des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, der Preußens Territorium mit der Heeresreform auf Kosten Österreichs erweitern wollte. Nach dem Krieg gegen Dänemark 1864 kam es zwei Jahre später zwischen Preußen und Österreich zum Deutschen Krieg, der entscheidend für die folgende deutsche Geschichte wurde. Nach dem Sieg über Österreich annektierte Preußen die nördlichen Gebiete Deutschlands und vereinigte sie zum Norddeutschen Bund, der zum Vorläufer des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde. Damit entschied Preußen den Deutschen Dualismus für sich.5






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