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Quellenverweise

Deutscher Bauernkrieg

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Die Reformation 1517 hatte die deutschen Territorien des Heiligen Römischen Reiches in zwei konfessionelle Lager gespalten: Katholiken und Protestanten. Neben religiösen Streitigkeiten kam es 1524 auch zu lokalen Bauernaufständen, die sich gegen die Ständegesellschaft richteten und bessere Lebensbedingungen forderten. Leitbild des Deutschen Bauernkriegs wurde Thomas Müntzer, der den kirchlichen Einfluss auf die Gesellschaft in Frage stellte und sich für die Befreiung der Bauern einsetzte.

Reformation 1517

Die Reformation 1517 markierte einen kirchenpolitischen Wendepunkt im Heiligen Römischen Reich. Martin Luthers 95 Thesen, die die Missstände und Korruption der Kirche bemängelten, erreichten eine breite Öffentlichkeit. Dazu trug auch die Erfindung des Buchdrucks bei. Er übersetzte das Neue Testament ins Deutsche und ermöglichte dadurch auch der einfachen Bevölkerung Zugang zur Heiligen Schrift. Weil sie dort keinen Hinweis auf die angeblich von Gott legitimierte Ständegesellschaft fanden, hinterfragten sie nun den Feudalismus und Leibeigenschaft. Thomas Müntzer interpretierte die kirchliche Reformation auch auf den weltlichen Bereich und wollte eine gerechtere Gesellschaftsordnung umsetzen. Martin Luther hingegen distanzierte sich von Müntzer, weil er mit seinen 95 Thesen lediglich eine Veränderung der Kirche erreichen wollte. Er unterschied zwischen einem weltlichen und geistlichen Bereich.1

Die Situation der Bauern

Im 16. Jahrhundert war die Gesellschaft in drei Stände unterteilt: Klerus, Adel und Bauern. Die ersten beiden Stände gehörten zu den privilegierten Klassen und führten ein ausschweifendes Leben, indem sie die Bauern ausbeuteten. Adelige verfügten als Grundherren über Land und Boden. Die darauf arbeiteten Bauern waren ihre Leibeigene und mussten ihnen Abgaben leisteten. Auch der Klerus war nach der Reformation nicht an besseren Lebensbedingungen der Bauern interessiert, weil Religion die Kernsäule der Feudalgesellschaft darstellte. Prunkvoll ausgebaute Kirchen und Klöster wurden mit Spenden, Ablasshandel und dem Zehnten finanziert. Nach der Reformation 1517 und der Bibelübersetzung ins Deutsche kamen schließlich immer mehr Menschen zu dem Entschluss, dass die vom Klerus propagierte „gottgewollte Ständegesellschaft“ an keiner Stelle in der Heiligen Schrift zu finden war.2

Zwölf Artikel

Einige oberschwäbische Bauern wollten eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zunächst ohne Krieg erreichen und verhandelten daher mit dem Schwäbischen Bund. Unterdessen trafen sich auch Vertreter in der freien Reichsstadt Memmingen, da deren Bürger die Forderungen der Bauern unterstützten. Dort versuchten sie, ihre gemeinsamen Reformwünsche auf einen Nenner zu bringen und mit Bibelstellen zu begründen. Erstmals traten sie einheitlich gegenüber der Obrigkeit auf. Im Frühjahr 1525 wurden die Forderungen der Bauern erstmals schriftlich in den sogenannten Zwölf Artikeln fixiert. Darin setzten sie sich unter anderem für die freie Pfarrerwahl, Aufhebung der Leibeigenschaft, Reduzierung der Frondienste und Abschaffung des Zehnten ein.3

Bauernkrieg

Der Deutsche Bauernkrieg fand vorwiegend im Süddeutschland statt. Der erste Aufstand des Bauernkriegs brach 1524 aus. Nach der Veröffentlichung der Zwölf Artikel im Frühjahr 1525 erreichten die Aufstände eine radikalere Dimension. Die gewaltsamen Plünderungen von Klöstern und das skrupellose Töten der Adligen prägten entscheidend das Negativbild der Bauern. Darum verstärkten nun auch die Adligen ihren Widerstand und gingen mit dem Heer des Schwäbischen Bundes gegen die Bauernaufstände vor. Unter den zahlreichen Gefechten markierte die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 den entscheidenden Wendepunkt. Dort wurden die Bauern in Thüringen mit Thomas Müntzer vollständig niedergeschlagen. Müntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und enthauptet. Im September 1525 war der Bauernkrieg schließlich beendet. Die überlebenden Aufständischen waren durch Reichsacht für rechtlos erklärt und damit vogelfrei geworden. Sie mussten sehr harte Strafen ihrer Landesherren ertragen. Die bäuerlichen Forderungen der Zwölf Artikel konnten im deutschsprachigen Raum erst in der Märzrevolution 1848 umgesetzt werden.4






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