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Friedensordnung nach dem 1. Weltkrieg


1918 endete in Europa der Erste Weltkrieg. Dem Deutschen Reich wurden im Friedensvertrag von Versailles harte Bedingungen auferlegt. Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen führten zu einer anhaltenden Wirtschaftskrise und bereiteten der 1919 gegründeten Weimarer Republik einen schweren Anfang. Der Versailler Vertrag isolierte Deutschland von der europäischen Staatengemeinschaft. Gleichzeitig wurde mit dem Völkerbund der erste Versuch einer internationalen Verständigung geschaffen. Dies scheiterte jedoch langfristig und wurde mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedeutungslos.

Erster Weltkrieg

Zwischen 1914 und 1918 kämpfte das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn gegen die Koalition Großbritanniens, Frankreichs und Russlands. Im September 1918 entschied sich die Oberste Heeresleitung für das Kriegsende und übergab die Regierungsgewalt den Sozialdemokraten. Mit dem Ausbruch der Novemberrevolution 1918 ging das Deutsche Kaiserreich unter. Am 11. November unterzeichneten die Kriegsteilnehmer einen Waffenstillstandvertrag. Ohne Einvernehmen wurde von Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. verkündet. Nach der zwischenzeitlichen Einrichtung eines Rat der Volksbeauftragten kam es im Januar 1919 zur Gründung der Weimarer Republik. Die Regierungsgewalt befand sich nun in den Händen der Sozialdemokraten.

Friedenskonferenz in Versailles

Am 18. Januar 1919 wurde die Friedenskonferenz in Versailles eröffnet. Die Siegermächte schlossen eine deutsche Delegation von den Verhandlungen aus und wollten ihre Ziele so weit wie möglich durchsetzen. Vor allem Frankreich hatte Interesse an eine Schwächung Deutschlands, da es sich für die Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 revanchieren wollte. Die Franzosen suchten Schutz vor einer erneuten deutschen Aggression und bemühten sich um eine dauerhafte militärische Überlegenheit. Im Juni 1919 musste eine deutsche Delegation dem Versailler Friedensvertrag bedingungslos zustimmen. Deutschland wurde im Artikel 231 die alleinige Schuld am Kriegsausbruch zugeschrieben und musste daher einige Gebietsabtretungen hinnehmen. Das Heer wurde auf 100.000 Mann reduziert, die Wehrpflicht verboten. Hinzu kamen hohe Reparationszahlungen, die die deutsche Wirtschaft massiv belasteten und 1923 in eine Hyperinflation trieben.

Folgen des Versailler Vertrags

Die Zustimmung des Versailler Vertrags löste in der deutschen Bevölkerung eine Welle der Empörung aus. Er wurde als „Schanddiktat“ diffamiert und bereitete rechtsextremistischen Parteien großen Zulauf. In den Krisenjahren 1919 bis 1923 stand die junge Weimarer Republik vor einer harten Bewährungsprobe und wurde durch links- und rechtsextremistische Putschversuche belastet. In den rechtsnationalen Kreisen wurde mit der Dolchstoßlegende die Schuld an der allgemeinen Miserie den Sozialdemokraten zugeschoben. Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 verhalf diese Legende der NSDAP zum politischen Aufstieg und ebnete somit einen Weg in die Errichtung des „Dritten Reichs„.

Völkerbund

Am 10. Januar 1920 wurde mit dem Völkerbund ein System der Verständigung geschaffen. Die Idee ging den 14-Punkte-Plan des US-Präsidenten Woodrow Wilson zurück und sollte weitere Kriege durch friedliche Streitschlichtung verhindern. Deutschland wurde zunächst von dem Völkerbund ausgeschlossen und trat ihm erst 1926 – durch die außenpolitische Erfolge Gustav Stresemanns – bei. Die Errichtung einer internationalen Organisation zur Friedenssicherung bedeutete ein Fortschritt im Völkerrecht und wurde zum Vorbild für die späteren Vereinten Nationen (UNO). Die durch den Versailler Vertrag ausgelöste Dauerkrise in Deutschland schuf jedoch einen Nährboden für den Nationalsozialismus und führte 1939 zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Verfasst von Fabio Schwabe

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