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Michail Gorbatschow Biografie


Die Person Michail Sergejewitsch Gorbatschow ist unmittelbar mit dem Ende des Kalten Krieges verbunden. Als Generalsekretär der KPdSU sorgte er mit seinem Reformprogramm „Perestroika und Glasnost“ für mehr Demokratie und Freiheitsrechte. Dies führte 1989 zur Öffnung der Grenzen und ein Jahr später zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Für seine internationalen Verdienste erhielt er 1990 den Friedensnobelpreis.

Herkunft und Jugend

Michail Gorbatschow wurde 1931 in der Region Stawropol geboren. Seine Eltern waren als Bauern in Priwolnoje tätig. Nach seinem Abitur studierte er von 1950 bis 1955 Jura an der Lomonossow-Universität in Moskau. Im Anschluss zog er mit seiner Frau Raissa, die er während des Studiums kennengelernt und 1953 geheiratet hatte, zurück nach Stawropol.

Karriere in der KPdSU

Im Jahr 1952 trat Gorbatschow in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) ein. Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut. In den folgenden Jahren stieg er in seiner politischen Karriere weiter auf. 1970 erhielt er – als Agrarexperte – das Amt des Ersten Sekretärs für die Landwirtschaft. Ein Jahr später wurde Gorbatschow Mitglied im Zentralkomitee der KPdSU. Dort arbeitete er zwischen 1978 und 1985 als Sekretär für Landwirtschaft. Aufgrund seiner hohen Position erhielt er die Erlaubnis für Reisen in den Westen.

Generalsekretär

1985 wurde Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU ernannt und war damit de facto Staatschef der Sowjetunion. Er sorgte für umfassende innen-und außenpolitische Reformen. Er modernisierte die Industrie, Verwaltung und den Agrarsektor und wollte die sowjetische Wirtschaft konkurrenzfähiger machen. Außenpolitisch setzte sich Gorbatschow vor allem für eine Entspannung im Ost/West-Konflikt ein. Dazu gehörten die im INF-Vertrag 1987 vereinbarte Abrüstung und der Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Afghanistankrieg. Damit neigte sich der seit 1945 bestehende Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion dem Ende zu.

Perestroika und Glasnost

Gorbatschows Reformwerk hatte weitreichende Folgen. Mit Perestroika wollte er das politische, soziale und wirtschaftliche System der Sowjetunion flexibler – mehr marktwirtschaftlich – gestalten. Glasnost stand für mehr Transparenz und sorgte für eine Lockerung der Pressezensur. Darüber hinaus hob Gorbatschow die Breschnew-Doktrin auf. Die Ostblockstaaten erhielten damit ihr Selbstbestimmungsrecht zurück und konnten ihre Staatsform nun selbst bestimmen. Damit war der Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems – und die Existenz der Sowjetunion – nur noch eine Frage der Zeit.

Ende des Kalten Krieges

Gorbatschows Reformen bewirkten 1989 in Polen und Ungarn die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die Ausreisewellen führten in der DDR am 9. November 1989 zum „Mauerfall“ und öffneten die Grenze zum Westen. Infolgedessen ging der Ost/West-Konflikt zu Ende und mündete am 3. Oktober 1990 in der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Gorbatschow hatte zuvor im Zwei-plus-Vier-Vertrag der deutschen Einheit zugestimmt. Für diese Verdienste erhielt Gorbatschow im selben Jahr den Friedensnobelpreis.

Staatspräsident der UdSSR

Im März 1990 wurde Gorbatschow zum ersten Staatspräsidenten der UdSSR gewählt. Seine demokratischen Reformen in der Politik und Wirtschaft führten jedoch zum Machtverlust der KPdSU und leiteten den allmählichen Zerfall der Sowjetunion ein. Am 19. August 1991 kam es zu einem gescheiterten Putschversuch, den Gorbatschow zum Rücktritt als Generalsekretär veranlasste. Die wirtschaftliche Krise und Unabhängigkeitsbestrebungen anderer Ostblockstaaten mündeten am 21. Dezember 1991 in der Auflösung der UdSSR. Wenige Tage später legte Gorbatschow das Amt des Staatspräsidenten nieder und zog sich aus der Politik zurück. Sein Nachfolger wurde Boris Jelzin.

Verfasst von Fabio Schwabe

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