Biographien
  • Johannes Calvin nahm Martin Luthers Lehren auf und verhalf der Reformation zur KonsolidierungJohannes Calvin nahm Martin Luthers Lehren auf und verhalf der Reformation zur Konsolidierung
  • Calvins theologisches Lehrwerk Calvins theologisches Lehrwerk "Institutio Religionis Christianae" erschien 1536 und wurde bis 1559 in mehrere Sprachen übersetzt
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Quellenverweise

Johannes Calvin Biografie

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Johannes Calvin gehört zu den einflussreichsten Reformatoren der Frühen Neuzeit. Als „Schüler“ Martin Luthers nahm er die Ideen der Reformation auf und erweiterte sie mit eigenen Denkimpulsen. Damit entstand der Calvinismus neben den Lutheranern als konfessionelle Grundströmung. Calvins Lehren hatten darüber hinaus hinreichende Auswirkungen auf den anglikanischen Sprachraum und fanden vor allem in Amerika großen Anklang.

Jugend und Studium

Calvin wurde 1509 im französischen Noyon geboren und war Sohn eines bischöflichen Beamten. Nachdem er seine heimatliche Domschule besucht hatte, erhielt er mit 14 Jahren Pfründe und wurde von seinem Vater zur Universität nach Paris geschickt. Dort nahm er das Studium der „Sieben Freien Künste“ auf. In deren Colleges kam Calvin erstmals in Kontakt mit der antiken griechisch-römischen Philosophie. Als Calvin das Studium 1528 mit dem „Magister artium“ abgeschloss, folgte er der Bitte seines Vaters, das Studium der Rechtswissenschaften zu beginnen. Daraufhin reiste Calvin nach Orléans, wo er auf herausragende Juristen und Humanisten traf. Insbesondere der Kontakt mit Melchior Volmar hatte eine prägende Wirkung auf Calvin, da dieser ihm wahrscheinlich die Lehren der Reformation und des Humanismus vermittelte. Seine philosophischen Studien führten dazu, dass er 1532 einen Kommentar zu Senecas „De clementia“ verfasste.

Flucht ins Exil

1533 kehrte Calvin wieder nach Paris zurück. In dieser Zeit kam es bei ihm zu einem inneren Sinneswandel, der ihn zum Reformator machte. In Paris pflegte er gute Kontakte zum damaligen Rektor Nikolas Cop. Nachdem dieser am Allerheiligen 1533 eine evangelisch gefärbte Rede hielt, mussten er und Calvin die Flucht ergreifen. Calvin hatte diese Rede vermutlich erarbeitet. Infolgedessen tauchte Calvin in Südfrankreich unter und vertiefte seine humanistischen und reformatorischen Studien. Schon damals predigte er in geheimen Zusammenkünften und hielt ein Abendmahl nach evangelischer Lehre. Nach der „Plakataffäre“ am 17. Oktober 1534 in Paris sah sich Calvin zur endültigen Flucht aus Frankreich gezwungen. Er landete 1535 zunächst in Basel und hatte dort Zeit für die Vollendung seines theologischen Lehrwerkes: der „Institutio Religionis Christianae„.1

Institutio Religionis Christianae

Die „Institutio Religionis Christianae“ erschien 1536 und wurde von Calvin bis 1559 vielfach erweitert und in mehrere Sprachen übersetzt. Genau wie Martin Luther bevorzugte Calvin mit der Taufe und dem Abendmahl nur zwei (und nicht sieben) Sakramente. Beide lehnten die Vorstellung, dass die Kirche als Autorität zwischen Gott und Menschen vermitteln könne, ab. Ebenso sollte es keine Hierarchie zwischen Gläubigen und den Gelehrten geben. Im Gegensatz zu Luther plädierte Calvin bei der Abendmahllehre für die Spiritualpräsenz. Calvin war außerdem Verfechter einer strengen Kirchenzucht, einer Vierteilung der Kirchenämter und lehrte die „doppelte Prädestination„. Grundlage seiner Lehre war vor allem die Kenntnis der Heiligen Schrift, also die Rechtfertigung des Menschen vor Gott allein und aus der Gnade.2

Die Genfer Kirchenordnung

Calvin gelangte 1536 nach Genf, einer freien Reichsstadt als Schnittpunkt verschiedener nationaler Handelswege. Da dort der kirchliche Einfluss des Bischofs zurückgegangen war, versuchte Calvin in Genf seine theologischen Lehren in die Praxis umzusetzen. Zunächst zerstritt er sich jedoch mit dem Genfer Rat, sodass er 1538 vorübergehend nach Salzburg auswanderte. Als er auf Bitten des Rats 1541 nach Genf zurückkehrte, bekam Calvin freien Spielraum und ließ noch im selben Jahr die Genfer Kirchenordnung einführen. Zwar kam es zwischen ihm und dem Rat in einigen Punkten zu Unstimmigkeiten. Calvins Kirchenordnung wurde in den folgenden Jahren aber zum Vorbild für viele Reformatoren aus verschiedenen Ländern. Genf entwickelte sich folglich zum Zentrum der Reformation.

Calvins Einflüsse auf die Nachwelt

Als 1555 die calvinistische Partei im Genfer Rat die Mehrheit errang, konnten Calvins Lehren nun endgültig freien Fuß fassen. Genf zog tausende reformierte Pastoren aus verschiedenen Nationen an, die sich von Calvin unterrichten ließen und anschließend in ihre Heimat zurückgeschickt wurden, um dessen Lehren zu verbreiten. 1559 gründete Calvin mit der Akadamie eine eigene Hochschule des Calvinismus. Die Grundsätze des Calvinismus hatten weitreichende Folgen: In Frankreich kam es ab den 1560er Jahren zu den Hugenottenkriegen. Vor allem aber im anglikanischen Raum und Amerika gab der Calvinismus wichtige Impulse, beispielsweise bei der Glorious Revolution und Gründung der USA. In der Lehre der „doppelten Prädestination“ sehen viele Wissenschaftler die Grundlage des Kapitalismus. Des Weiteren war Calvins Vierteilung der Kirchenämter das Vorbild für eine gewaltenteilige Staatsordnung. Johannes Calvin, der 1564 in Genf starb, hatte auf diese Weise der Reformation zur Konsolidierung verholfen und sie in andere Nationen exportiert.3






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