Biographien

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Egon Bahr Biografie

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Egon Bahr machte sich vor allem als Vordenker und Mitbegründer der Neuen Ostpolitik in den 1970er Jahre einen Namen. In den Jahren zwischen 1972 und 1974 hatte er als „Bundesminister für besondere Aufgaben“ einen wichtigen Anteil daran, dass sich die Beziehungen zwischen BRD und DDR wieder verbessern konnten. Als enger Berater von Bundeskanzler Willy Brandt gab er schließlich die entscheidenden Impulse für die Entspannungspolitik.

Jugend und Ausbildung

Egon Bahr wurde 1922 in Treffurt bei Thüringen geboren, zog sechs Jahre später mit seiner Familie nach Torgau und lebte dort bis zu seinem 16. Lebensjahr. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 verlangten diese von seinem Vater die Trennung von seiner Ehefrau, weil ihre Mutter Jüdin war. Daraufhin zog Egon Bahrs Familie nach Berlin. Nach seinem Abitur 1941 nahm er eine Ausbildung zum Industriekaufmann auf, obwohl er eigentlich lieber Musik studiert hätte. Dies war ihm von den Nazis wegen seiner jüdischen Großmutter aber verwehrt worden. Im Zweiten Weltkrieg fungierte Bahr zwischen 1942 und 1944 als Fahnenjunker in der Luftkriegsschule in Kitzingen und wurde anschließend von der Wehrmacht zur Rüstungsarbeit versetzt.1

Politische Anfänge

In der Nachkriegszeit war Bahr zunächst als Journalist bei der Berliner Zeitung, Allgemeinen Zeitung und danach beim Tagesspiegel tätig. Außerdem arbeitete er zwischen 1950 und 1960 als Chefkommentator bei der RIAS. Mit seinem Eintritt in die SPD 1956 setzte Egon Bahrs politische Karriere ein. Zwischen 1960 und 1966 leitete er das Presse- und Informationsamt in Berlin und war engster Berater des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt in West-Berlin. Ab 1966 arbeitete Bahr als Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt. Dort bereitete er unter anderem die Neue Ostpolitik vor, die zur Grundlage der sozialliberalen Koalition in den 1970er Jahren werden sollte.2

Neue Ostpolitik

1969 wurde Willy Brandt zum neuen Bundeskanzler einer sozialliberalen Koalition gewählt. Damit wurde Egon Bahr Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Seine wichtigsten Jahre fielen zwischen 1972 und 1974, als er als „Bundesminister für besondere Aufgaben“ fungierte. Als Gesandter der BRD wurde er nach Moskau und Ost-Berlin geschickt. Damit leistet Bahr einen wichtigen Beitrag zur Entspannungspolitik. Darunter fielen der Moskauer Vertrag, Warschauer Vertrag, das Transitabkommen und der Grundlagenvertrag. Aufgrund dessen wird Bahr als „Architekt der Ostverträge“ bezeichnet. Dafür erhielt er 1973 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik. Zwischen 1972 und 1990 war er zugleich als Mitglied des Bundestages tätig. Nach dem Rücktritt Willy Brandts 1994 gehörte Bahr dem Kabinett des neuen Bundeskanzlers Helmut Schmidt nicht mehr an.3

Sonstige Tätigkeiten

Nach seiner aktiven Zeit in der Bundesregierung beschäftigte sich Egon Bahr weiter mit einer internationalen friedlichen Beilegung des Ost-West-Konflikts. Im Jahr 1980 wurde Bahr Mitglied der Unabhängigen Kommission für Abrüstung und Sicherheit. Von 1984 bis 1994 arbeitete Egon Bahr als Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, wo er 1984 zum Honorarprofessor erklärt wurde. Zwischen 1987 und 1991 beteiligte er sich an der Veröffentlichung des Friedensgutachten. Für seine diplomatischen Leistungen erhielt Bahr neben vielen anderen Auszeichnungen 1982 den Gustav-Heinemann-Preis und 2008 den Göttinger Ehrenpreis. Im Jahr 2002 wurde er darüber hinaus zum Ehrenbürger Berlins erklärt. Im Jahr 2015 starb Egon Bahr in Berlin.4






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